Mai 09 2017

Fluch oder Segen – Genderauffassungen

Kein anderes Thema als Genderforschung hat die Trans*-Community in letzter Zeit so vehement zum diskutieren gebracht wie die Genderforschung. Der Genderforschung werden dabei die absurdesten Unterstellungen gemacht: Und das eigentlih Erstaunliche dabei ist, dass Genderforschung eigentlich nur am Rande sich mit Transidentidentät und Transsexualität beschäftigt.

Warum dann also der (oft künstlich herbeigeführte) Hype zu diesem Thema?

Was ist Genderforschung eigentlich (nicht)?

Der Begriff gender wird mittlerweile in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft genutzt. Doch was ist damit gemeint? Woher stammt diese Benennung? Wo wird dieser Begriff angewendet?

In der Linguistik bezeichnet das Wort gender zunächst im Englischen den Genus bzw. das grammatikalische Geschlecht – d.h. die Unterscheidung zwischen weiblich, männlich und sächlich.

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird gender als Bezeichnung für das soziale Geschlecht und in Abgrenzung dazu sex als biologisches Geschlecht definiert. … In den 70er Jahren wurde der englische Begriff gender im feministischen Sprachgebrauch als Analysekategorie aufgenommen, um die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialen Geschlecht zu betonen und so einen Ansatz zu entwickeln, der die Veränderbarkeit von Geschlecht in den Blickpunkt rückt: Geschlechterrollen sind kein biologisches Phänomen, sondern stellen soziale Zuschreibungen dar. Sie werden in sozialen Interaktionen und symbolischen Ordnungen konstruiert und sind damit veränderbar. Mit gender werden scheinbare geschlechtsspezifische Fähigkeiten, Zuständigkeiten und Identitäten in Frage gestellt und kritisiert – danach gibt es keine homogene Gruppe von „Frauen“ oder „Männern“ bzw. keine Definition für das was es heißt männlich oder weiblich zu sein.

 

Maternus Millett hat es in einem Interview versucht so zu formulieren:

„Frage: Welche Auswirkungen hat die Gender-Theorie auf die Gesellschaft?
Maternus Millett: Die Gender-Theorie versucht, die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als Normalfall in Frage zu stellen und stellt nicht nur die Geschlechterrollen, sondern sogar den „Geschlechtskörper“, also die anatomisch-physiologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, als soziokulturelles „Konstrukt“ dar. Sie geht davon aus, dass wir als sexuell-erotisch unbeschriebene Blätter zur Welt kommen und erst durch Erziehung, Imitation usw. zu Männern und Frauen geformt werden und interpretiert dies als „Repression“, als Unterdrückung und Deformierung der angeblich ursprünglich multisexuellen „Natur“ des Menschen.

Diese Ideologie wird als „wissenschaftlich“ verkauft und auf staatlicher Ebene von oben nach unten implementiert, indem die Geschlechterrollen „dekonstruiert“ werden, d.h. politisch gewollt Geschlechtsverwirrung gestiftet und heterosexuelle Geschlechtsidentitäten zerstört werden sollen. Es handelt sich hier um einen gesamtgesellschaftlichen Groß-Menschenversuch mit ungewissem Ausgang, eine Sozial-Großtechnologie ohne wissenschaftliche Folgenabschätzung und Ethikkommissionen, wie sie bei Atomtechnologie und Genmanipulation Standard sind.

Auf jeden Fall ist zu beobachten, dass heterosexueller Geschlechtsverkehr immer seltener stattfindet und dass sich die Geschlechter auch physisch aneinander angleichen, bei abnehmender Fruchtbarkeit und zunehmender Vereinzelung, sexueller Frustration und Impotenz nicht nur bei Männern.

[Quelle Telepolis]

 

Eckhardt Kiwitt hat dieses Interview mit den Worten kommentiert:

Die Gender-Theoretiker verwechseln möglicherweise die in unserem Grundgesetz garantierte Gleichheit von Mann und Frau „vor dem Gesetz“ mit der biologisch zwangsläufig bedingten Verschiedenheit der Geschlechter. Das Wort „Halbintelligenzler“ könnte für solche Leute fast ein Lob sein.

 

Geschlecht und Gender

Nach mehreren tausend Jahren Evolution der Menschheit dürfte es sich inzwischen herumgesprochen haben, dass zwei Geschlechter – männlich und weiblich –  existent sind. Man unterscheidet also zwischen Mann und Frau. Beide Geschlechter sind biologisch klar definiert und haben diverse biologische Unterscheidungsmerkmale. So ist also nicht unüblich, schon im Kreißsaal mit einem Blick auf die Genitalien den jungen Erdenbürger oder junge Erdenbürgerin zu klassifizieren. Dies geschieht in diesem Moment sicher erst einmal nach den sichtbaren Geschlechtsmerkmalen. Diese erste Klassifizierung beruht also auf rein äusserliche sichtbare anatomische Merkmale.

Ab jetzt bist du erst einmal Junge oder Mädchen (und wirst von Deiner Umwelt auch entsprechend gesehen).

… und das Kind wird größer

Es ist eine Wesenseigenschaft der menschlichen Entwicklung, mit fortschreitendem Alter nicht nur körperliche Eigenschaften zu entwickeln, vielmehr entwickelt der mensch auch ein eigenes Bewußtsein. Dieses Bewußtsein und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit hat zu Folge, dass sich der Mensch als soziales Wesen definiert und in unmittelbare Interaktion mit seiner Umwelt tritt. Es entstehen so so zwangsläufig Interaktionen zwischen dem sozialen Umfeld und dem Kind. Für Eltern oder Verwandte spielen in der Erziehung des Kindes (vielleicht unbewusst) gesellschaftliche Normen eine fundamentale Rolle (z.B. Spielzeug, Farben, Kleidung etc.) und fließen unmittelbar mit ein.

… und das Kind entwickelt sein Geschlecht

Was bei der Geburt als äusseres Anzeichen für das Geschlecht gesehen wurde, muss ja nicht immer der Realität entsprechen. Wie oft haben sich Menschen im Leben korrigieren müssen, weil man einem Irrtum aufgesessen war?

So ist es eben auch nicht zwangsläufig, dass ein Mensch, der als Junge bei seiner Geburt definiert wurde, in der Zuweisung „männlich“ (oder ein Mädchen in der Zuweisung „weiblich“) sich im Leben widerfindet. Die Ausbildung des eigenen Identitätsgeschlechtes muss als nicht immer zwangsläufig mit dem identisch sein, welches bei der Geburt definiert wurde.

Erwartungshaltung und Gender

Erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts kam mit dem Feminismus die Erkenntnis, dass die Rollenverteilung von Männern und Frauen keineswegs so naturgegeben ist, wie seit Jahrhunderten angenommen. Das ging hin bis zu der Meinung, dass allein ein Penis oder eine Vagina und die entsprechende Erziehung einen Menschen zu Mann oder Frau machen. Seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lernen die Wissenschaftler zunehmend, dass Geschlechtshormone schon im ungeborenen Kind wirken und die Entwicklung des Gehirns beeinflussen.

Ob Verhaltensweisen, die als typisch männlich oder weiblich wahrgenommen werden, angeboren sind oder erlernt werden, sorgt noch immer für Diskussionen unter Wissenschaftlern. Sicherlich spielen viele Faktoren eine Rolle, die sich gegenseitig beeinflussen: Gene, Erziehung und die Erwartungen der Gesellschaft formen in einem sehr komplizierten Zusammenspiel Männer und Frauen.

[Quelle STERN „So entstehen Männer, Frauen und alles dazwischen“

Die Herausbildung der menschlichen Persönlichkeit hat neben biologischen auch sehr starke persönliche Ambivalenzen und gesellschaftliche Faktoren. Der Mann oder die Frau entwickelt sich in stetig zunehmender Interaktion und Beeinflussung.

MOMENT – Mann oder Frau entwickelt sich durch gesellschaftliche Einflußnahme?

Ja, das dürfte jedem Menschen, wenn er seine eigene Entwicklung reflektiert, nicht verborgen bleiben. ABER, diese gesellschaftlichen Faktoren ändern nichts am Geburtsgeschlecht (z.B. den vorhandenen Chromosomensätzen oder körperlichen Merkmalen).

Diese Tatsache wird eben sehr gerne von den Genderkritikern übersehen. Wir reden hier also von zwei unterschiedlichen Dingen: zum einen das biologische Geschlecht und zum anderen von einer geschlechtsspezifischen Rollenerwartung in der Gesellschaft.

Transsexualität, Transidentität und Gender

Nun müsste man eigentlich annehmen, dass gerade Genderthemen auch für transidente und transsexuelle Menschen wesentliche (Gedanken-)Änsätze und Anregungen geben sollte, über die eigene identität und Wahrnehmung in der Gesellschaft nachzudenken. Doch genau dies scheint bei einigen Gruppen nicht der Fall zu sein. Gender-Themen werden oft vehement abgelehnt:

Bereits 1979 wurde der Gender Mainstream als Richtlinie aller EU-Staaten ernannt, in der UN ist das Thema schon seit 1985 im Gespräch. In Deutschland wurde der Gender-Mainstream 2000 verbindlich vorgeschrieben. Seither ist man bemüht alle Maßnahmen unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung von Männern und Frauen zu gestalten. Leider wird dieser eigentlich postitive Impuls jedoch in einer Art vollkommen falsch verstanden, indem man Geschlechter gleich macht und behauptet, dass Geschlechterunterschiede ohnehin nur sozial konstruiert seien.

Daraus folgt dann auch, dass es Transsexualität, in der Art wie wir sie verstehen, nicht geben könne, da Geschlecht ja nicht existiere. Ein pränatal angelegtes Geschlecht, wie es bei der Transsexualität von vielen damit befassten Wissenschaftlern vermutet wird, darf es nicht geben, da dies ja dann doch einen naturgegebenen Unterschied zwischen den Geschlechtern verfestigen würde.

Auch darf Heterosexualität nicht naturgegeben sein, ebenfalls aus den gleichen Grund. So kann ein eigentlich positiver Ansatz, die Gleichberechtigung der Geschlechter, zum negativen verkehrt werden, zu einer Gleichmachen der Geschlechter.

[Quelle: Forum VTSM; Vorsitzende Lotty Maria Wergin]

Man verwechselt (nicht nur) beim VTSM wahrscheinlich, die Begriffe Geschlecht und Gender.

Gleichberechtigung von Mann und Frau sollte in unserer heutigen (modernen) Gesellschaft sicher immer ein Thema sein, ebenso aber auch die Selbstbestimmung der eignen Identität. Die Genetik eines Menschen ist nun einmal gesellschaftlich nicht beeinflußbar.

Eine Vornamensänderung oder Personenstandsänderung oder auch geschlechtsangleichende Operation wird nicht automatisch eine gesellschaftliche Anerkennung zur Folge haben. Rechtliche oder medizinische Maßnahmen werden letztendlich aber bewirken können, den eigenen Status (als Mann oder Frau) zu entsprechen. Ob man in seinem Geschlecht dann auch in der Gesellschaft anerkannt wird, hängt sicher von weiteren Faktoren ab.

 

Unser Geschlecht beeinflusst, wie wir sozialisiert werden. Wenn Männer und Frauen einfach gleich wären, wäre das ganze zwischengeschlechtliche auch nur halb so spannend. Wir sind der Meinung, dass es sich lohnt, sich in Geschlechtergruppen mit dem eigenen Gender auseinander zu setzen.

Recht auf Selbstbestimmung der eigenen Identität

Keine Art von Genderforschung beschränkt die Selbstbestimmung der eigenen Identität. Somit ist es jedem Individum selbst überlassen sich zu definieren – sei es als Mann, als Frau oder dazwischen. Diese Selbstbestimmung hat jedoch nichts mit dem genetischen Geschlecht zu tun – dieses liegt nun einmal in uns und definiert uns als weiblich oder männlich. Die Selbstbestimmung der eignen Identität hat vielmehr damit zu tun, wie wir uns selbst empfinden und in unserem Umfeld verorten.

Genderthemen auf unterschiedlichsten politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Ebenen haben dieses Recht auf Selbstbestimmung möglich gemacht:

 

„Viele halten die „Gender Studies“ mit ihrer Idee, dass es nicht nur Männer und Frauen, sondern alles Mögliche dazwischen gibt, für Junk Science, zu deutsch: Gaga-Wissenschaft. Andere sehen es als Weg zur Befreiung von den Fesseln einer falschen Identität an. Ich will das hier nicht debattieren, denn es ist auch gar nicht mehr nötig: Eine große, wirklich sehr große Institution hat das Konzept akzeptiert und damit praktisch unzerstörbar gemacht. Es handelt sich um Facebook.“

Insofern dürften viele Menschen und viele Identitäten von Ergebnissen profitieren.

 

Geschlechterthemen sind nur was für Geschlechterforscher_Innen – oder?

Über das (soziale) Geschlecht, zu forschen und solche Aspekte in der Lehre zu berücksichtigen, wird gern einer spezialisierten Gruppe in den sozialen Wissenschaften überlassen: den Geschlechterforscher_Innen. In der Tat kennen sich „Menschenwissenschaftler_Innen“ mit dem Zusammenhängen von biologischen Geschlechtern und (gesellschaftlich hergestellten) „Gender“ am besten aus. Und weil jeder Mensch ein Geschlecht hat und „Gender“ erlernt hat, steckt „Gender“ automatisch in allen Themen der Sozial- und Geisteswissenschaften drin – auch wenn es längst nicht immer explizit bearbeitet wird.

[Quelle www.fh-dortmund.de]

Entscheidend für die Selbst- und Fremdwahrnehmung bezüglich der eigenen Geschlechtsidentiät sind die biologischen als auch die sozialen Aspekte der Geschlechtszugehörigkeit und somit auch die von der Gesellschaft erwarteten Geschlechterrollen.

 


ausgewählte Links zum Thema

WikiMannia – 60 Geschlechtsidentitäten: http://de.wikimannia.org/60_Geschlechtsidentit%C3%A4ten

Uni Bielefeld – Gender-Manifest: https://www.uni-bielefeld.de/gendertexte/gendermanifest.pdf

FRIEDA – das Magazin: Gender: Themen, die die Welt nicht braucht…

GenderMedDB: Komfortable Recherche zu Genderthemen

Die Zeit Der Trend zu Trans

Deutschlandfunk: „Warum macht uns das Angst, dass wir vielfältiger geschaffen sind?“

Introspektrum und Geschlechtsidentität

 

 

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