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Mai 01 2017

Von Apfelstrudel und Trans*Diskussionen in Salzgitter

Sonnenmai – oder sagen wir Maiensonne, dazu frischen Kaffee und warmen Apfelstrudel. Mit am Wohnzimmertisch Studentin, Aufnahmegerät und ne ganze Menge Spaß.

Vor ca. drei Wochen fand im „Parlament“ zu Braunschweig das erste Treffen mit Studentinnen der Ostfalia Hochschule und Gender-BS statt. Ein weiterer Besuch folgte dann zu unserem Gender-BS-Treffen im April. Viele Fragen und Diskussionen fanden an diesen Abend statt, Gedanken und Eindrücke wurden neu definiert, Erfahrungen und ganz persönliche Lebenswirklichkeiten konnten einander näher gebracht werden.

Der Podcast an der Hochschule steht nun kurz vor der Vollendung – so war der heutige Feiertag eine gute Gelegenheit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Also frischer, selbstgemachter Apfelstrudel und über 2 Stunden offene Fragen und Diskussionen…..

Was heißt für Dich Identität ?

Nicht nur für Trans*Menschen sicher eine sehr tiefgreifende Frage und oft nicht einfach mal so zu beantworten. Kann man Identität mal so einfach wechseln ? Ganz gleich ob transident oder transexuell – die eigene Identität definiert man selbst; eine eigene individuelle Identität entwickelt sich, wird von eigenen Empfindungen, Erlebnissen und Bedürfnissen über die Jahre geprägt, beeinflußt und  ausgebildet. Zur eigenen Identitätsfindung braucht es aber auch

Nicht immer ist es für den Menschen einfach, diese bewusster werdene Identität für sich zu akzeptieren – erst recht dann, wenn diese nicht im Kontext mit verfestigten gesellschaftlichen Vorstellungen stehen.

Wie ist die Gesellschaft für das Thema Transidentität und Transsexualität sensibilisiert?

Transidente und transsexuelle Menschen machen einen anteil von 0,25 % bis 2 % der Bevölkerung aus. Ehrlicherweise muss man also auch hinterfragen, wie hoch das Interesse an diesen Themen in der Gesamtbevölkerung ist. Dass das Thema Trans* in den letzten Jahren dennoch in den Focus der Öffentlichkeit gekommen ist, ist sicher auch der verstärkten Medienpräsenz zu verdanken. Selbst „Otto-Normalverbraucher“ kann inzwischen mit dem Begriff Transsexualität etwas anfangen und in Verbindung bringen. Inwieweit diese Aussagen dann der Lebensrealität von Trans*Menschen entspricht, sei noch einmal dahingestellt.

Oft wird auch der Zugang von interessierten Menschen verweigert, erschwert oder gar abschreckend gestaltet. Es gibt nach Jahren des „Versteckens“ endlich mehr Selbsthilfegruppen, die aus den sogannten „geschützen Räumen“ herauskommen und sichtbar werden. Ein Umstand der meines Erachtens sehr positiv zu sehen ist. Man kann Menschen nur für Dinge sensibilisieren, wenn diese sichtbar werden. Bleibt man unsichtbar, wird man kaum die Chance haben, für die Akzeptanz seiner Persönlichkeit und des Themas insgesamt werben zu können. Ebenso trifft das auch für seine eigene Postion zu.

Verstörend ist für Außenstehende die oft geführte Diskussion über Begrifflichkeiten. Nicht unbemerkt bleibt auch, dass in den eigenen (Community-) Kreisen von Trans*;Menschen die Diskussionen oft von Anfeindungen und Diffamierungen begleitet werden. Ein bezeichnendes Beispiel ist die „Toilettendiskussion“, die von einigen Transsexuellen-Vertreter_innen immer wieder strapaziert wird.

Um eine sachdienliche Empathie bei Mitmenschen gegenüber der Thematik im allgemeinen und den betroffenen Menschen insbesondere zu erreichen, braucht es eine Offenheit und die Chance zu Gesprächen auf Augenhöhe für beiden Seiten. Pauschale Zurechtweisungen oder Vorwürfe von Diskriminierung sind dabei fehl am Platz. Nichtbetroffnene Menschen müssen Fragen stellen dürfen – auch wenn diese im ersten Augenschein, „diskriminierend“ wirken mögen.

Die Sache mit dem Apfelstrudel

Am heutigen Nachmittag war man sich dann auch einig – der Apfelstrudel war lecker.

„Zugegeben – verstehen kann ich es nicht, aber ich habe viele Dinge neu sehen gelernt.“, so der Satz einer Studentin. Das Thema Trans* wird sicher auch immer für viele Außenstehende (oder soll ich sagen Nichtbetroffene) schwer verständlich sein; viel wichtiger erscheint mir, dass man sich damit beschäftigt oder die Gelegenheit dafür geboten wird. Allein diese Tatsache wird vielleicht in Zukunft den Satz: „Ehh schau mal dort – eine Transe….“ vermeiden und so den Betroffenen die unbeschwertere Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

Und so freuen wir uns auf das Erscheinen des Podcasts und wünschen den Macherinnen viel Erfolg und natürlich positive Eindrücke.

 

 

 

 

 

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Über den Autor

Daniela Thomä

Jahrgang 64, Studium Sozialpädagogik,
seit 2013 in Braunschweig, in einer glücklichen Beziehung, 2 Kinder
Gründerin von www.gender-bs.de

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